Das Geschenk des Schenkens in Ostfriesland

Vor kurzem habe ich bei iChurch den Artikel “Die Umkehr des Klingelbeutel-Prinzips” gelesen. Dort wird von einer Aktion der Watermark Community Church berichtet, die während eines Gottesdienstes Geld an die Besucher verschenkte. Diese sollten es nach ihrem eigenen Ermessen für gute Zwecke einsetzen (Quelle: ‘The Gift of Giving’ bei Dallasnews). Eine tolle Idee, wenn man bedenkt wie lebensnah und praktisch christlicher Glaube für den Einzelnen verständlich wird. Das Gleichnis von den Talenten (Mt. 25, 14-30) wird dort einfach mal wörtlich genommen und so hat jeder der (unfreiwillig) daran teilnimmt die Möglichkeit sich ganz neu mit dieser Geschichte auseinander zu setzen.

Gute Dinge soll und darf man nachmachen. Das hat sich wohl auch Pastor Burkhard Westphal von der Kirchengemeinde Collinghorst in Ostfriesland gedacht und plant deshalb am kommenden Sonntag diese tolle Idee auch dort in die Tat umzusetzen. Das wirbelt natürlich völlig zurecht ein riesiges Interesse auf, so dass die ostfriesischen Wellen der Begeisterung schon bis nach Hannover schwappen.

Wenn man jetzt auch noch die folgenden Ideen von Thomas Kilian bei iChurch mal bedenken würde, dann währe ich vollends begeistert!

(…) Weiterführen könnte die Gemeinde die Aktion z.B. durch die Einrichtung eines Weblogs, wo über einzelne Verwendungen des Geldes berichtet wird oder durch kurze Videoclips von Projekten, denen das Geld zu Gute kommt. So würde die Multiplikation sich noch weiter fortsetzen.

Kirche und die 2. Generation

Vorwort (off topic): Jetzt wo ich mittlerweile schon seit über 3 wieder aus Polen zurück bin und das verwirrende Hin und Her zwischen Ankunft, Familie, Freunden, Weihnachten, Heimat, Sylvester, Abfahrt und Studienbeginn hinter mir habe möchte ich dieses blog nicht veröden lassen sondern weitere Themen aus unterschiedlichen Bereichen (Onlinewelt, Glaube und Kirche, Studium) betrachten.

Die Kirche ist ja bekanntlich ein Schiff. Ein Schiff, das im Sturm der Zeit dahersegelt und “dort draußen” immer wieder neuen Herausforderungen gegenübersteht. Da gab es ruhige Zeiten und wohltuende Winde, aber eben auch die sprichwörtlichen Stürme. Und schon sieht sich die Kirche seit einigen Jahren einer neuen Herausforderung gegenüber: dem Internet, Schlagwort und Überbegriff für rasante Kommunikation, Informationsdschungel, Selbstdarstellung und fortwährende Vernetzung.

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.

Windmühle im Kornfeld

Eine Herausforderung hat ja auch immer das Potenzial ein Anstoß zu sein und große Dinge zu bewegen. Laut dem Artikel Christen und das „Web 2.0“ in pro (kostenloses christliches Medienmagazin, Ausgabe 5|2007) weht der Wind des Wandels nun also aus der Richtung Web 2.0, dem Internet zum Mit- und Selbermachen. Was daran neu ist kann eigentlich keiner so genau und konkret benennen oder beziffern. Es scheint mir fast wie eine literarische Epoche, unfassbar und doch prägnant. Die Postmoderne mündet nun endlich in den lang ersehnten Nachfolger: das Web 2.0.

Nach dem „Augenöffner“ der Aufklärung und dem Tabubruch der 68er konnte man (inhaltlich) endlich alles schreiben was einem auf dem Herzen lag. Gelesen hat’s bloss keiner, wenn man beseelt vom Geist der Zeit seine persönlichen 95 Thesen zuhause an die Wohnungstür genagelt hat.

Notizzettel mit englischen Wörtern für u.A. Leben, Demokratie, FreiheitDas ist nun anders. Es ist zwar immer noch die eigene Wohnungstür – der Eingang zu unserem privaten Lebensraum – an den wir unsere Pamphlete nageln, aber diese Wohnungstür ist nun digital, mit einem Klick von der ganzen Welt erreichbar und nennt sich blog. Es ist als stünde die ganze Welt hier in Duisburg bei mir vor der Tür um das neueste, von mir verfasste Zettelchen zu lesen. Mitmachen ist neuerdings – vor allem aus technischer Sicht – so einfach geworden wie einen Notizzettel mit Tesa an die Wohnungstür kleben.

Daher weht nun also der Wind des Wandels. Aber wer sind die Maurer und wo werden die Windmühlen gebaut? Wo finden wir sie, die erneuerbaren Energien des Cyberspaces? Im Artikel der pro klingen einige viel versprechende Ideen an. Da nimmt jemand Menschen von der Bushaltestelle mit und fährt sie wohin sie wollen. Der „Preis“ ist ein Gespräch über Gott und wird als Podcast veröffentlicht (http://karachotv.blogspot.com/). Auf www.ichurch.de informiert ein Marketing-Spezialist über die Möglichkeiten der Kirche im Web 2.0. Und Jesus.de – Online Community und Online Newsmagazin des Bundesverlages – wächst und plant eine erneute nutzerfreundlichere Ausrichtung des Angebots (vor allem was Offenheit gegenüber „Nichtchristen“ angeht). Diese Projekte klingen für mich alle sehr interessant, aufregend und sind sicherlich der richtige Ansatz um das gegenwärtige Internet als Plattform zu nutzen. Jetzt fehlen eigentlich nur noch christliche Facebook applications à la „You’ve been blessed by XYZ“ und das Web 2.0 Packet ist komplett.

Ich komme aus einer gut-lutherischen, vielleicht etwas konservativen Landgemeinde Norddeutschlands mit ca. 30 Gemeindemitgliedern pro km². Hier fahren Menschen jede Woche mehrere Kilometer mit dem Auto um an einer Chorprobe teilzunehmen und in kleinen Dörfern mit 4 Straßenlaternen unterhält die Kirche eine Glocke die stündlich einmal bimmelt („Öffentlichkeitsarbeit“ mal anders). Gerade hier wäre n’ beeten wäbb zwo null (ein bisschen Web 2.0) doch sicher hilfreich und gerade hier sollte man sich doch ganz besonders über die Möglichkeit der digitalen Pamphlete imaginären Wohnungstür en freuen. Aber Pustekuchen! Böhmische Dörfer wie blog, podcast und newsfeed verstehen die Menschen hier nicht und erkunden wollen sie die schon gar nicht. Woran liegt das? Ein Faktor wird sicherlich der dörfliche Konservativismus sein. Aber ist das alles? Ich habe zunehmend auch das Gefühl das gerade der Bereich „Neue Medien“ überwiegend von Menschen aus alternativen Gemeindeformen genutzt wird. Von der evangelischen Landeskirche Hannover lese ich da leider höchstens Meldungen über ein neues Bibelradio oder eine Zusammenfassung von Weihnachtspredigten bei der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD).

Entsteht hier so etwas wie eine Kirche der zweiten Generation? Eine Kirche für die ewig Gestrigen, die sonntags „dem Herrn Pastor seine Predigt [sic!]“ hören um sich nach der obligatorischen Spende für die Mission zum Klatsch und Tratsch beim Kirchkaffee zu treffen. Und dann , jetzt neu im Angebot, für alle Jungmenschen die Medienkirche in der Version 2.0 – Freie evangelische Gemeinde, kein Gottesdienst ohne Beamer und Predigt per podcast. So findet bald jeder die auf ihn persönlich zugeschnittene Gemeinde – zur Not halt online. Gerade heute habe ich in einer Wirtschaftsvorlesung viel über Marktsegmentierung zur Gewinnoptimierung gehört. Wäre ja gelacht, wenn wir Christen das nicht auch könnten! Den ausführlichen Blick zum „Vorbild“ Amerika erspar ich mir an dieser Stelle.

Was also tun?

Wie wäre es ausnahmsweise mit voneinander lernen statt fortwährender Ausdifferenzierung! Die Landeskirche und ihre Gemeinden täten sicherlich gut daran sich auf digitale Zettelchen an der Kirchentür usw. einzulassen. Selbst auf dem Kirchentag 2007 in Köln war die „Themenhalle Medien und Weltwissen“ erschreckend leer und uninteressant. An dieser Stelle sollte man eigentlich Vorreiter sein, nicht hinterherhinken. Liest man doch in einschlägigen weblogs (z.B. bei donalphonso von der blogbar) immer wieder wie wichtig es heutzutage im Internet sei seine Besucher durch Inhalte zu überzeugen und wie schwierig viele sich damit tun diese Inhalte zu schaffen. Die Kirche hat Inhalte noch und nöcher parat. Wieso werden daraus keine Windmühlen gebaut?

Und was ist mit den Onlinechristen, Alternativensuchern und Freikirchlern? Nach 500 Jahren scheint wohl die Zeit reif für eine Reformation 2.0 und eine (?) neue Kirche muss her, denn die alte hat ausgedient, ist nicht medientauglich und wird ausgemustert. Nicht einmal von der Kirche hält sich die Evolution fern. Aber wieso muss man sich eigentlich aus dem großen Ganzen ausklinken und auf dem eigenen Schiffchen lossegeln?

Voneinander lernen Windmühlen statt Mauern zu bauen und das Schiff gemeinsam zu segeln, darauf kommt es an.

Ship and Sunrise

Multae sunt causae bibendi

“Es gibt viele Gründe, zu trinken.” - Zum Beispiel, dass ich alle Prüfungen hier in Polen mit einem sehr erfreulichen Ergebniss bestanden habe. Oder, dass ich am Wochenende endlich mal einen annehmbaren Weihnachtsmarkt mit annährend weihnachtlicher Stimmung erlebt habe. Oder aber, dass ich gerade ohne Platzprobleme meinen Koffer fertig gepackt habe und mich heute Mittag auf eine 18-stündige Busfahrt gen Heimat begeben werde.

Multae sunt causae bibendi - Lässt sich eine solche Busfahrt eigentlich besser mit Wasser oder mit Vodka überstehen? Das bleibt wohl vorerst die letzte philosophische (?) Frage die ich mir hier vor Weihnachten noch stelle denn zuhause werde ich mich ersteinmal mit anderen Dingen beschäftigen: Menschen wiedertreffen, lecker Essen und Kochen, Weihnachten, Sylvester und alles “spoko” angehen lassen!

Dinge die ich vermissen werde: Die unheimlich angenehm kleinen Seminare an der Uni; Das hohe Niveau bei Sprachausbildungen; Pierogi; polnisches Bier; Krakau mit seiner wunderbaren Innenstadt und der besten Kneipenkultur die ich je gesehen habe; meine Sprachschule und die super Lehrerinnen dort; Pszczyna - eine Kleinstadt mit unglaublich viel Charme; eine nahezu liebenswert komplizierte Sprache und zu guter Letzt natürlich das Warten!

Cześć!

Künstliche Abgeschiedenheit

Ich verbringe nun schon drei Tage nahezu ununterbrochen in weiblicher Gesellschaft im Zimmer meines Studentenwohnheims. Wenn diese Frau bloss nicht schon 500 Jahre alt wäre und immer so geheimnisvoll lächeln würde! Da hätte ich doch lieber andere Gesellschaft! Mein Selsingen lob ich mir. Es ist ein Klein-Paris und hat auch nette Leute!

Pech im Spiel…

Aktuelle Ziehung Mittwoch 05.12.07
9 10 24 28 39 42

Zusatzzahl:  33
Superzahl:  3

Tja, schade! Keinen einzigen Treffer! Obwohl… doch einen, sogar einen sehr guten :)

Ein Berg, eine Hütte, Schnee und wir!

Norwegische Flagge

Fast wie Hänsel und Gretel haben wir uns gefühlt als wir für einen Tag die Zivilisation hinter uns gelassen hatten und in der Nordmark, gleich neben Oslo, ein Naturparadies allererster Güte erlebten. Zum Jahrestag sind wir dem norwegischen Wanderverein DNT beigetreten und haben uns eine gemütliche kleine Hütte, die lille Tømtehytta, auf 465m über Null ausgesucht. Da sich Norwegen zur Zeit in einer wirtschaftlichen Krise befindet und sich daher nur 7 Std. Sonnenschein pro Tag leisten kann mussten wir schon recht früh morgens in Oslo aufbrechen:

Aufbruch in Oslo

Zu Gretels - äh Corinnas - Vergnügen wurden wir nach einer 30-minütigen Busfahrt von einer schönen, vereisten und verschneiten Landschaft empfangen und machten uns dann auch gleich auf durch die Wälder einen gemütlich ansteigenden Pfad zu erklimmen:

Gebirgspfad in Norwegen

Mit jedem Meter und jedem Schritt den wir taten verwandelte sich die Landschaft in ein tolles winter wonder land! Na ja…das war jetzt ein bisschen geschleimt, aber schön war es wirklich!Der Schnee knisterte unter den Füßen und rund herum waren nur Bäume, rauschende Bäche und Gebirgswände mit Eiszapfen. Wir hatten wirklich das Gefühl die einzigen Menschen weit und breit zu sein!

Nach ca. 6 Kilometern Anstieg wurde sie dann hinter Tannen und in Schnee eingehüllt sichtbar: Die lille Tømtehytta.

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Dort angekommen musste alles erstmal erkundet werden und der erste Eindruck war wirklich klasse: Eine kleine aber super ausgestattete Küche und ein gemütlliches Wohnzimmer im IKEA Stil. Es gab kein fließend Wasser, kein Strom und natürlich auch kein Licht, dafür aber einen Kamin und jede Menge Kerzen. Das gab dem ganzen natürlich eine ganz besondere gemütliche Stimmung.

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Da wir schon recht früh bei der Hütte ankammen, gingen wir dann noch einmal die Landschaft bestaunen bevor es schon wieder um ca. 3 Uhr zu dämmern began.

Abends, oder eher am späten Nachmittag, wärmten wir uns dann bei einem Tee auf. Da war es dann auch schon richtig duster draussen und sollte so schnell auch nicht mehr hell werden. Ein bisschen gegruselt haben wir uns dann später aber auch…so ganz alleine weit entfernt von der Zivilisation ohne Strom, Musik, Fernseher in der absoluten Stille…da muss man sich dann schon beschäftigen: z.B. Lecker Ravioli mit dem Gasherd kochen, Glühwein trinken, Karten und StadtLandFluss spielen usw.

Kerzenromantik

Der nächste Morgen brachte dann noch einen schönen Rückweg mit tollen Ausblicken auf norwegische Landschaft mit sich. Résumé: Von Hütte zu Hütte wandern ist eine tolle norwegische Tradition, wir sind um eine Erfahrung reicher und nun vorerst bist 2008 zahlende Mitglieder des norwegischen Wandervereins DNT Oslo.

Aussicht auf dem Rückweg

Aussicht auf dem Rückweg II

Wir wandern!

Schneefrau

Seit einigen Wochen wohnt im Wohnheim gegenüber eine weitere Deutsche namens Jannika. Sie macht für den europäischen Freiwilligendienst ein freiwilliges Jahr in Będzin und betreut dort Theaterworkshops in einer Schule. Sie ist ein unglaublich internationales Mädel, gebürtig aus Ostfriesland und trotzdem schon mehrere Jahre in Südafrika gewohnt und nach dem Abi in Frankreich gewesen. Respekt!

Heute haben wir dann eine Schneefrau zusammen gebaut. Das Wetter hier ist einfach großartig und lädt geradezu dazu ein in weihnachtlicher Vorfreude zu sein.

Schneefrau bauen

Konzert: Paris in Polen

Gestern abend waren wir Erasmusstudenten zu einem Konzert eingeladen. Die Pariser Elektro-Jazz Combo “Caravan Palace” hat hier in Sosnowiec in einem alten Kino eine unglaubliche Performance hingelegt. Das Ganze wurde stilvoll von einer Scotch Whisky Promotion unterstrichen. On the Rocks für 1,30 € und der Student ist glücklich. Ich habe leider (noch) keine Fotos oder Videos von dem Konzert, aber hier mal ein kleiner Eindruck von youtube:

Wer mehr hören will (und das ist definitiv zu empfehlen), sollte auch mal bei deren Myspaceprofil vorbeisurfen. C’est très fantatique!

Impressionen aus Polen

Erster Schnee in Sosnowiec:

(…) und heute abend dann:
Schnee in SosnowiecSchnee in SosnowiecSchnee in Sosnowiec

słonecznik prażony - Sonnenblumenkerne (statt chips):
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Sonnenblumenkerne

(…) und meine neue “Bekanntschaft”:

alea iacta est - Bundestag beschließt Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung

Vor gut einem Monat habe ich über das geplante Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung in Deutschland berichtet. Heute hat der Bundestag trotz erheblicher Proteste in der Bevölkerung dieses Gesetz mit folgendem Ergebnis beschloßen:

Endgültiges Ergebnis:
Abgegebene Stimmen insgesamt: 524
nicht abgegebene-Stimmen: 89

Ja-Stimmen: 366
Nein-Stimmen: 156
Enthaltungen: 2
ungültige: 0
http://bundestag.de/parlament/plenargeschehen/abstimmung/20071109_teleueberwach.pdf

Denk daran: ab jetzt wird jedes mal wenn du telefonierst, eine SMS schreibst, eine Webseite aufrufst oder eine E-Mail versendest irgendwo ein Datensatz darüber gespeichert. Du bist zwar kein Verbrecher, aber das interessiert deine Regierung nicht!

Ich hab das Privileg noch ein paar Wochen in Polen wohnen zu dürfen und mir darüber ‘noch’ keine Gedanken machen zu müssen. Aber ab Dezember heißt es dann in Deutschland auch für mich: Tschüss, Grundgesetz, war schön mit dir.

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